H wie Harnwegsinfektion.

Traditionelles Wissen modern genutzt.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Mäntel, Schals und Stiefel rücken im Kleiderschrank nach vorne. Wir kuscheln uns dicker in Kleidung ein und wärmen unseren Körper. Denn: Im Winter kann es nicht nur zu Beschwerden der Atemwege, zur laufenden Nase, dicken Mandeln und trockener Haut kommen, sondern auch zu Infektionen der Harnwege. 


In zahlreichen Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Harnwegsinfektionen und kaltem Wetter festgestellt. Ergänzend: wobei Infektionen der Harnwege oft durch fachlich gesagt - kälteinduzierte Diurese - hervorgerufen wird. 


Was das ist? Eine kälteinduzierte Diurese ist ein Mechanismus des Körpers, um Unterkühlung vorzubeugen. Das bedeutet: die Durchblutung der Haut wird gesenkt und an die Organe umgeleitet, um diese schlussendlich „warmzuhalten“.  Durch das Zusammenziehen der Blutgefäße wird die Durchblutung der inneren Organe verbessert. Die Folge ist ein erhöhter Blutfluss und damit eine verbesserte Durchblutung der Nieren. Filtern die Nieren mehr Schadstoffe aus dem Blut, dann resultiert daraus eine verstärkte Urinbildung. Daher verspüren der ein oder andere bei kaltem Wetter einen erhöhten Urindrang. Wenn man jedoch im Winter nicht genügend trinkt, dann fehlt den Nieren die nötige Flüssigkeit, um Schadstoffe auszuscheiden. Schadstoffe, die dann einfach zu lange im Harnsystem verbleiben – diese können zu einer Blaseninfektion führen. 


Die häufigsten Anzeichen und Symptome einer Infektion der Harnwege sind:Vermehrtes Wasserlassen, Schmerzen im Unterleib und Brennen beim Wasserlassen, starker Geruch aber auch Trübung des Urins, dunkler Urin, blutiger Urin, Fieber. 


Stellt sich die Frage: Kann man auf natürliche Art vorsorgen? Und, wenn ja: Welche „Bio-Mittel“ nimmt man ein? Stimmt es, dass Mannose und Schachtelhalm helfen? Wir sprachen mit der Frauenärztin, Dr. med. Brita von Holle, die in Ihrer Münchner Praxis gemeinsam mit drei weiteren Gynäkologinnen dieses Thema nur zu gut aus dem Praxisalltag kennt. 


Dr. med Brita von Holle

Dr. Brita von Holle ist mit langjähriger Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen für Sie da. Medizin ist ihre Leidenschaft: Zuerst hat sie eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert – dann das Medizinstudium an der LMU München. Nach dem III. Staatsexamen hat Dr. Brita von Holle ihr Wissen kontinuierlich ausgebaut und bietet Ihnen eine ganzheitliche Beratung und Versorgung als Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dank 20 Jahren Berufserfahrung kann sie dabei auch auf ein gut ausgebautes medizinisches Netzwerk zurückgreifen.


Redaktion: Blasenentzündung bzw. Harnwegsinfekte - ein Thema, dass viele von uns bestimmt mehr oder weniger gut kennen, aber keiner so gerne darüber spricht. Oder? Daher machen wir das hier mal an der Stelle und fragen Frau Dr. med. Brita von Holle dazu konkret und zwar „Wie sehen Sie das Thema Blasenentzündung in der Gesellschaft - Ist das ein Tabuthema?“ 


Dr. med. B. von Holle: Das Thema ist ganz gewiss in meinem beruflichen Alltag nicht wegzudenken, nein, und auch nicht wie so oft gedacht von der Jahreszeit abhängig. Jüngere und ältere Damen können Harnwegsinfekte bekommen, so treten Harnröhrenreizungen zum Beispiel oft bei verstärkter sexueller Aktivität nach längerer Karenz auf. Das nennt man auch Honeymoon-Zystitis. Heutzutage wird sehr offen und auch klar über Krankheiten, Symptome und Entstehungen sowie deren Linderung und Heilung gesprochen. So auch hier in dem Fall. Wir legen als Ärztinnen und Ärzte viel Wert auf den offenen und informativen Umgang bei all unseren Patienten/*innen. 


Redaktion: Was hilft schlussendlich bei einer Blasenentzündung und was ist überhaupt der Unterschied von einer Blasenentzündung zu einer Harnwegsinfektion? Welche natürlichen Mittel lindern oder bieten gar eine Heilung? Gibt es Mittel und Wege und wenn ja, welche sind das? 


Dr. med. B. von Holle: Von Fall zu Fall ist das doch sehr verschieden. Sprich, es gibt keine pauschale Lösung für bestimmte Mittel oder Vorgehensweisen, da jeder ein Individuum ist, mit eigenen Bedürfnissen, Symptomen und Immunstruktur. Je nachdem, wie schlimm die Entzündung gelagert ist, wird behandelt – bei leichten Symptomen anders als bei blutigem Urin. Da kommt dann auf jedem Fall ein Medikament ins Spiel. Aber: durch ausreichend Trinken und damit Spülen der Harnwege ist dem Körper immer geholfen. Auch das Ansäuren des Urins mit z.B. Vitamin C oder das Trinken von O-Saft hat eine gute Wirkung bei Blasenentzündung. Weshalb? Bakterien mögen kein saures Milieu und werden so ausgespült. Verschiedene Tees bieten eine gute Möglichkeit, das Ganze zu unterstützen oder/und präventiv zu agieren. Der Unterschied zwischen Blasen-entzündung und Harnwegsinfekt ist in aller Kürze so erklärt: Bei der Blasenentzündung ist wie der Name schon sagt die Blase betroffen. Beim Harnwegsinfekt kann es die Blase sein, die Harnröhre aber auch der Harnleiter bis zu den Nieren. Oder alles zusammen. 


Redaktion: Manche Menschen haben deutlich häufiger eine Blasenentzündung als andere. Man sagt zwar, das jeder, egal ob Mann oder Frau im Leben einmal eine solche bekommt doch: Wie kann es sein, das es solche Unterschiede gibt - sind denn die Harnwege so anfällig. Inwiefern spielt die Immunabwehr in das Thema mit hinein?


Dr. med. B. von Holle: Ganz klar hat es immer etwas mit der Immunabwehr zu tun. Das sei zu Beginn gesagt. Jedoch ist jeder Mensch von der Beschaffenheit anders gelagert und hat sein Organ, an dem sich Immunschwäche zeigt. Das können der Kopf sein, Hals, Magen, Darm, Haut, Ohren, Augen, Bronchien, Blase, etc pp. Die Empfindlichkeit bzw. Immunschwäche zeigt sich auf zahlreichen Wegen und insofern sollte jeder darauf achten, was der Körper einem sagt und vor allem spiegelt. Wenn man also weiß, daß man schnell zu einem Harnwegsinfekt neigt, dann sind gute Prophylaxen sinnvoll. Mit Mannose und Schachtelhalm ist das gut darstellbar. Die Blasen/-schleimhaut wird stabiler gemacht. Denn Mannose in seiner Funktion ist ein einfacher Zucker, der beim Stoffwechsel unseres Körpers nicht erfasst wird und so unverbraucht in die Blase gelangt.

Das Ansäuren des Urins durch Mannose spült schlussendlich die Bakterien aus. 


Redaktion: Auch wenn Blasenentzündung nicht Jahreszeitenabhängig ist, so steht nun doch die kalte Jahreszeit vor der Türe. Und damit die Häufung von Infekten der Harnwege. Gibt es denn Tipps von Ihrer Seite aus, um erst gar keine Blasenzündung oder Harnwegsinfekte zu bekommen? 


Dr. med. B. von Holle: Ich bin der Meinung, dass das Immunsystem und die Psyche unmittelbar zusammenhängen. Unbewältigte Themen oder negativer Stress suchen sich ein Ventil - das kann eben auch die Harnblase treffen. Dann kommt es oft zu Blasenproblemen wie z.B. Reizblase oder Drangblase. Viele Menschen zwingen sich in Lebens-Korsette, die der Psyche manchmal nicht so dienlich sind wie gedacht. Ansonsten sind es immer wieder die drei Punkte in dem oben genannten Kontext. Nummer eins: Wetter / Immunsystem, Nummer zwei: Alter / Menopause und Nummer drei: Sex / Quantität beeinflussen unsere Harnwege und damit die möglichen Infekte. Wenn wir damit bewusst umgehen, dann können wir die Themen steuern. Vermeiden Sie das Sitzen auf Böden, Bänken, Mauern die kalt sind. Ziehen Sie sich warm an. Gut sind lange Pullover und Jacken, die über die Hüften gehen. Und, halten Sie die Füße stets warm. Obendrein: Gemüse, Obst und viel Flüssigkeit, am besten warmer Tee – ist präventiv und tut obendrein gut. 



Redaktion: Danke für das sehr interessante Gespräch und Ihnen alles Gute!