Der „Pilz-Flüsterer“

Oliver von Biotiva im Gespräch mit dem Experten für Heilpilze, Assistant Professor Dr. Andrei Gregori


Heilpilze, oder auch Vitalpilze genannt, gibt es in großer Vielfalt. Klickt man sich durchs Internet, so gibt es Unmengen von Angeboten dazu. Der ein oder andere kennt bestimmt Reishi, der gängigste oder bekannteste unter den Vitalpilzen. Und, weil das Thema Vitalpilze so ein umfangreiches Thema ist, haben wir uns über die spannende Welt der Vitalpilze unterhalten.

Biotiva-Redaktion: Herr Dr. Gregori - Danke, dass wir Ihnen ein paar Fragen rund um das Thema Vitalpilz stellen dürfen. Was fasziniert Sie so am Vitalpilz?


Dr. A. Gregori: Pilze sind Multitalente. Nicht nur in der Küche und in der Lebensmittel-Industrie, sondern auch in der Medizin; zum Beispiel wird das Antibiotikum/Penicillin aus einem Pilz gewonnen. Sie sind wirklich ein Geschenk der Natur. Ein Wunder der Erde. Dennoch gelten Pilze als Pflanzen. Schließlich findet man sie am Gemüsestand zwischen Kohl und Salat, und sie wachsen exakt wie diese Pflanzen im Boden. Doch die Zuordnung zum Reich der Pflanzen ist nicht ganz richtig. So haben sie keine echten Wurzeln, keine Blätter und kein Blattgrün (Chlorophyll). Sie sind keine Pflanzen, keine Tiere, keine Bakterien, sondern bilden ihr eigenes Pilzreich. Die Faszination um die Biologie der Pilze als auch die Bedeutung der gesundheitlichen Vorteile, die Pilze bieten können, haben mich dazu bewegt, Menschen damit Gutes zu tun.

Biotiva-Redaktion: Wenn die Pilze keine Pflanzen sind, wie Sie sagen, sondern eben ein eigenes Reich, wie kann man sich das Ganze etwas genauer vorstellen?


Dr. A. Gregori: Wie schon erwähnt, da die Pilze kein Chlorophyll bilden, können sie auch nicht wie Pflanzen organische Substanz aus Kohlendioxid und Lichtenergie aufbauen. Sie müssen also ihre Nahrung von lebendigen oder toten pflanzlichen oder tierischen Organismen beziehen. Diese Lebensweise nennt man heterotroph. Bei den Pilzen selbst unterscheidet man in Saprobionten, Parasiten und Symbionten, die sich auf verschiedene Weise ernähren und damit an unterschiedlichen Standorten zu finden sind. Viele symbiotisch lebende Pilze gehen mit pflanzlichen Wurzeln eine enge Lebensgemeinschaft ein. Oder einfacher gesagt: Der Baum geht z.B. mit dem Pilz einen Tauschhandel ein. Der Pilz spinnt sein Myzelals feines Flechtwerk, der sogenannten Mykorrhiza, um die Wurzelspitzen des Partnerbaumes. Die feinen Verästelungen des Myzels können wesentlich besser als die gröberen Baumwurzeln die Mineralien des Bodens aufnehmen. Diese geben sie an den Baum weiter, der sie für sein Wachstum benötigt. Im Gegenzug versorgt der Baum den Pilz mit Kohlehydraten, die dieser ja nicht selbst aufbauen kann.

Biotiva-Redaktion: Stimmt es, das Vitalpilze auch Abwehrkräfte steigern können und das sogar so verrückt es klingen mag, bei Bäumen, allein durch das Wurzelgeflecht?


 Dr. A. Gregori: In der Tat, ja. Neuen Forschungsergebnissen zufolge erfüllt das von Pilzen aufgebaute Wurzelnetzwerk aber noch den weiteren Zweck, benachbarte Waldbäume miteinander zu verbinden, selbst wenn diese unterschiedlichen Arten angehören. Die Bäume tauschen über die Wurzel-Highways Zucker untereinander aus. Ein Aspekt, der vor allem dann an Bedeutung gewinnt, wenn ein Wald zum Beispiel unter Trockenheit leiden. „Partnerpilze“ helfen den Bäumen aber auch in anderen Stresssituationen. In kalten Wintern beispielsweise erhöhen die von den Pilzen gebildeten Zuckerarten Mannitol und Arabitol die Frostresistenz der Baumwurzeln. Die Pilze steigern die Abwehrkraft der Bäume gegenüber krankheitserregenden Bodenorganismen, indem sie antibiotisch wirkende Stoffe produzieren oder die Bildung von Gerbstoff in den Wurzeln anregen. Außerdem filtern die Pilze Schadstoffe wie Schwermetalle und Aluminium aus dem Boden. Sie lagern die für Pflanzen giftigen Stoffe zum Großteil in ihr Pilzmycel ein und verhindern auf diese Weise, dass Bäume, Sträucher und Kräuter die Schadstoffe in vollem Umfang aufnehmen.

Biotiva-Redaktion: Merken Sie in den letzten Jahren eine vermehrte Nachfrage nach Vitalpilzen?


Dr. A. Gregori: Ja, die Nachfrage an Vitalpilzen steigt. Viele, die in unserer heutigen Zeit an einem gesunden Lebensstil interessiert sind, wissen auch um die positiven Eigenschaften auf unsere Gesundheit, die man Heil- bzw. Vitalpilzen nachsagt. Sie können sich positiv auf das Immunsystem auswirken – sie aktivieren es, senken beispielsweise den Blutzucker- und Cholesterinspiegel und regen den Stoffwechsel an. Auch, wenn die Pilze z.B. wie in Deutschland keine offizielle Zulassung als Arzneimittel haben, wächst das wissenschaftliche und therapeutische Interesse an Pilzen stark. Auch in der alternativen Tiermedizin werden Heilpilze verstärkt nachgefragt.

Biotiva-Redaktion: Wie funktioniert eine Vitalpilzfarm und wie werden Pilze grundsätzlich kultiviert, zumal es ja sehr spezielle „pflanzliche Lebewesen“ sind und bestimmte Parameter wie Temperatur, Bodenbeschaffenheit und Luftfeuchtigkeit benötigen. Schildern Sie uns die Produktion bitte etwas näher?


Dr. A. Gregori: Grundsätzlich wird viel Zeit darauf verwendet, Heilpilze zu verstehen. Denn, beim Pilzanbau entscheiden folgende Punkte über die Qualität der sogenannten Vitalpilze: Erstens den Anbauort und damit die Qualität des lokalen Wassers und der Luft, dann das Anbaumaterial und die Reifezeit. Diese Parameter sind ausschlaggebend für Reinheit und Qualität. Es gibt weltweit sehr professionelle Pilzfarmen und auch High-Tech-Labore, so dass die Rahmenparameter für die einzelnen Pilzsorten exakt eingerichtet werden, wie sie es individuell benötigen. Mal so als kleiner Exkurs: Für die meisten Vitalpilze ist eine konstante Temperatur von 25 °C optimal.


Biotiva-Redaktion: Biologisch kontrollierter Anbau mit schonender Trocknung wird bei Heilpilzen ganz großgeschrieben. Ebenso die Reinheit beim Kultivieren und wie wichtig es ist, den Prozess permanent aufrecht zu erhalten und nachvollziehen zu können, bis zum Verkauf. Wie kann man die Qualität hier gewährleisten?


Dr. A. Gregori: Grundsätzlich erfolgt der Anbau und auch die Zucht hochwertiger Vitalpilze nach EU-Norm aber eben auch nach alter chinesischer Tradition – und das weitab von Industrie und Umweltverschmutzung. Zur Qualitätsoptimierung wird der gesamte Heilpilz bei möglichst niedrigen Temperaturen schonend getrocknet, um darin enthaltene Wirkstoffe nicht zu schädigen. Die Rückverfolgbarkeit des gesamten Herstellungsprozesses – von den Anbaukulturen über die Verarbeitung bis hin zum Endprodukt – ist zu 100% transparent. Auf diese Weise garantieren einige wenige Pilzfarmen weltweit, dass Pilze keine schädlichen Mikroben, Pestizide oder Schwermetalle enthalten, die Pilze aus der Natur sonst gerne konzentrieren und an sie binden. Bei der Qualität der Pulverherstellung ist es wichtig, welcher Teil des Pilzes –Myzel und/oder Fruchtkörper – bzw. der Pilz als Ganzes zur Rohstoff-Verarbeitung gelangt. Leider kommt es bei einigen Anbietern von Vitalpilzprodukten immer noch vor, dass die komplette Pilzkultur samt Anzuchtmaterial zur Rohstoff- Gewinnung verarbeitet wird. So etwas sollte ausgeschlossen werden, wenn diese Materialien keine medizinische Verbindung enthalten und nur als Füllstoff dienen. Achten Sie daher auf Produkte, bei denen die Qualität und Reinheit des Pulvers 1A ist. Übrigens: Qualität und Reinheit der Produkte werden bei professionellen Herstellern regelmäßig überwacht, kontrolliert sowie zertifiziert.

Biotiva-Redaktion: Jetzt haben wir über die Qualität sowie die Herstellung erfahren. Nun würde mich zum Schluss noch interessieren, wie lange ein Vitalpilz im Durchschnitt wächst?


Dr. A. Gregori: Wie guter Wein oder Käse brauchen auch Vitalpilze genügend Zeit, um zur vollen Güte heranzureifen. Nur so kann das wertvolle medizinische Potenzial des Pilzes voll ausgeschöpft werden. Je nach Vitalpilzart ist die Reifezeit unterschiedlich lang. So benötigt beispielsweise der Shiitake zur Ausreifung seines vollen Fruchtkörpers etwa fünf Monate und der Reishi sogar bis zu acht Monate. Wichtig ist deshalb, dass man jeder Pilzsorte und jedem einzelnen Pilz die Zeit zum Wachsen gibt, die er braucht, bis er geerntet werden kann. Das Ergebnis einer achtsamen Produktion sind stets voll ausgereifte Vitalpilze der höchsten Güte mit einem Maximum an wertvollen Inhaltsstoffen


Biotiva-Redaktion: Vielen Dank Herr Dr. Gregori für dieses interessante Gespräch.